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„Sport ist quasi ein Allheilmittel”

DOSB: Herr Professor Reuter, wie geläufig ist Ihnen das Format Trikottag? 

Ulrich Reuter: Ich habe schon vom Trikottag gehört, aber intensiv damit beschäftigt habe ich mich bisher nicht. 

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband ist im Sport sehr involviert, nicht zuletzt auch in der Wirtschaftsinitiative für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Warum ist dieses Engagement für den Sport Ihrem Unternehmen so wichtig? 

Sport ist Emotion, Sport ist Leidenschaft, Sport ist identitätsstiftend. Sport hat eine Kraft, die eine einzigartige Wirkung auf Menschen ausübt. Insofern ist Sport ein starker gesellschaftlicher Kitt. Er bringt ganz unterschiedliche Menschen zusammen und vereint sie. Zentrale Werte des Sports sind Fairness, Toleranz und Respekt. Nicht nur geopolitisch betrachtet sind diese Werte heute wichtiger denn je. Auch für die Sparkassen, die ja dem Gemeinwohl verpflichtet sind, haben sie einen sehr hohen Stellenwert. Denn Sparkassen sind für alle Kundengruppen ein verlässlicher Partner. Sie sind dort, wo sie gebraucht werden, bei ihren Kundinnen und Kunden vor Ort. 

Warum bringen Sie sich gleichermaßen im Leistungs- wie auch im Breitensport ein? 

Ganz einfach, weil der Breitensport die Menschen ebenso verbindet wie der Leistungssport. Athletinnen und Athleten beispielsweise vom Team Deutschland sind starke Vorbilder. Sie stehen für die genannten Prinzipien und vermitteln gesellschaftliche Werte. Wer sich einmal intensiv mit einer paralympischen Athletin ausgetauscht hat, weiß, was es heißt, Herausforderungen anzunehmen und in positive Energie zu wandeln. Und im Breitensport kommen Menschen vor Ort mit unterschiedlichen Begabungen und ganz unterschiedlichen Alters zusammen und verfolgen ihre Ziele. Gestützt durchs Ehrenamt im Verein. Beides ist für unsere Gesellschaft wichtig. 

Sport und Wirtschaft haben einiges gemeinsam, können aber auch einiges voneinander lernen. Worin sehen Sie diese gegenseitigen Lerneffekte? 

Wir reden heutzutage viel über Work-Life-Balance und wie wir uns individuell am besten entfalten können. Der Leistungssport zeigt aber noch mal ganz andere Möglichkeiten auf. Nämlich, wie es auch Spaß machen kann, sich durchzubeißen, um gemeinsam als Team großartiges zu erreichen. Ein anderes Beispiel ist der Umgang mit einzelnen Athletinnen und Athleten. Trainerinnen und Trainer müssen oftmals mit sehr unterschiedlichen Sportlertypen arbeiten und jeweils eine individuelle Ansprache finden, um diese zu Höchstleistungen zu motivieren. Diese Erfahrungen und Kenntnisse können auch für Führungskräfte in der Wirtschaft sinnvoll sein. Leistungsbereitschaft, Motivation und die richtige Ansprache sind auch in Wirtschaftsunternehmen wichtig. Auch hier geht es um gemeinschaftlichen Erfolg; um Ziele, die erreicht werden müssen. Daneben sind Wirtschaftsunternehmen wichtige Unterstützer des Sports. Sportstätten, Ausrüstung, Organisation: Alles muss auch im Sport immer wieder angepasst oder erneuert werden. Schon deswegen ist der gegenseitige Austausch wichtig. 

Worin sehen Sie die wichtigsten Aspekte, die Sport zum Funktionieren unserer Gesellschaft beitragen kann? 

Es ist vor allem das Gemeinschaftsgefühl, unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Status. Zudem leistet der Sport auch Gesundheitsarbeit, sowohl im Sinne von Prävention und Fitness als auch in der Rehabilitation, körperlich wie psychisch. Er ist also quasi ein Allheilmittel.

„Wartet nicht, bis ihr glaubt, alles perfekt zu können“

Am 20. Mai feiert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sein 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass blicken wir seit Jahresbeginn in einer wöchentlichen Serie auf Themen aus dem DOSB-Kosmos, die seit der Fusion von Nationalem Olympischem Komitee und Deutschem Sportbund zum gemeinsamen Dachverband des deutschen Sports von besonderer Bedeutung waren. Eines davon ist der Bereich „Frauen in Führungspositionen im Sport“. Veronika Rücker, heute als Sportdirektorin des Deutschen Tennis-Bundes aktiv, war zwischen Januar 2018 und November 2021 die bislang einzige weibliche Vorstandsvorsitzende des DOSB. Im Präsidium, das laut Satzung zu mindestens 30 Prozent weiblich besetzt sein muss, herrscht Geschlechterparität. Im aktuellen, fünf Personen umfassenden Vorstand ist Michaela Röhrbein, zuständig für den Geschäftsbereich Sportentwicklung, die einzige Frau.

Die 51-Jährige, die seit April 2022 DOSB-Vorständin Sportentwicklung ist, spricht im Interview für diese Serie mit Laura Ludwig über Erfahrungen aus der Führungsarbeit, stereotype Verhaltensweisen, den weiblichen Einfluss auf gemischte Führungsgruppen und Ansätze dafür, noch mehr Frauen für Spitzenpositionen im Sport zu begeistern. Ludwig, 2016 in Rio de Janeiro gemeinsam mit Kira Walkenhorst Olympiasiegerin im Beachvolleyball, ist seit einem Jahr Vizepräsidentin im Multisportverein HSV e.V. in ihrer Heimat Hamburg. Die 40-Jährige ist außerdem Mutter zweier Söhne – und bringt dadurch eine weitere spannende Perspektive ein.

DOSB: Laura, du warst bereits als Sportlerin viel für dich selbst verantwortlich. Was hast du aus deiner aktiven Karriere für das Berufsleben danach mitnehmen können?

Laura Ludwig: Ich glaube, der wichtigste Lerneffekt war, dass ich es gewohnt bin, ins kalte Wasser zu springen und neue Herausforderungen schnell anzunehmen. Besonders der Wechsel vom Hallenvolleyball, wo einem im Team vieles abgenommen wird, in den Beachvolleyball, wo man für sehr vieles selbst verantwortlich ist, hat mir geholfen zu akzeptieren, dass es keine Schwäche ist, wenn man einiges nicht sofort kann. Nicht in Panik zu verfallen, sondern zu verstehen, dass ein neu eingeschlagener Weg Zeit braucht, um zum Ziel zu führen, war ein wichtiger Schritt für mein gesamtes Leben. Diese Eigenverantwortung zu übernehmen und zu tragen, ist etwas, das mir nun in meiner Rolle beim HSV e.V. sehr weiterhilft.

Du hast deine aktive Karriere sehr intensiv ausgekostet, bist erst 2024 mit 38 Jahren zurückgetreten. Wann hast du dir erstmals Gedanken darüber gemacht, was nach dem Beachvolleyball kommen soll?

Laura: So richtig intensiv eigentlich erst nach dem Karriereende. Ich wusste zwar schon sehr früh, dass ich im Sport bleiben und viel mit Menschen arbeiten wollte. Aber wegen meiner zwei Söhne und der sportlichen Verpflichtungen fehlte es mir schlicht an Kapazitäten, mich darum zu kümmern, was danach kommen sollte. Ich habe ein Studium des Medien- und Kommunikationsmanagements angefangen, mich auch auf dem Gebiet der Ernährungswissenschaft weiterzubilden versucht, aber es nicht geschafft, etwas abzuschließen. Als es dann vorbei war mit dem aktiven Sport, wusste ich zwar, dass ich eine tolle Familie habe, auf die ich mich verlassen kann. Aber in der großen, weiten Welt anzukommen, das hat mich in den ersten Monaten erschlagen und emotional ziemlich mitgenommen.

Michaela, was hat dich dazu bewogen, eine Führungsposition im organisierten Sport zu übernehmen?

Michaela: Es war nicht so, dass ich einen fertigen Karriereplan im Sport hatte. Ich bin damals angesprochen worden und dann nach und nach in diesen Bereich hineingewachsen. In meiner ersten Führungsaufgabe am Zentrum für Hochschulsport an der Universität Hannover war ich die Jüngste. Mein damaliger Chef lag im Sterben, es war eine durchaus dramatische Situation. Er hat mir damals dazu geraten, mich auf seine Position zu bewerben. Ich wusste nicht, was auf mich zukommen würde, habe Pro und Contra abgewogen, die Chance dann aber bewusst ergriffen, weil ich gespürt habe, dass ich Spaß daran hatte, Dinge mitgestalten zu können. Ich habe mich auch ehrenamtlich engagiert, und ich merkte, auch durch die Unterstützung meines damaligen Chefs, dass als Frau im Sport viel möglich ist – wenn Leistung, Unterstützung und passende Strukturen zusammenkommen. Es ging mir darum, Gestaltungskraft zu entfalten und gute Ideen gemeinsam mit einem Team wirksam umzusetzen. Genau das treibt mich bis heute an. Und so bin ich nach und nach in dieses Berufsfeld hineingewachsen.

Laura: Ich bin tatsächlich auch angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könnte, die Position der Vizepräsidentin zu übernehmen. Ehrlich gesagt habe ich es anfangs nicht für möglich gehalten, dass ich eine solche Rolle ausfüllen könnte, ohne Erfahrung oder entsprechende Vorbildung. Ich kam aus einem Sport mit einem relativ klar umrissenen Vierjahreszyklus, in dem ich mich sicher fühlte. Deshalb habe ich mich gefragt: Wo soll ich denn bitte beim HSV anfangen? Aber in den Gesprächen mit dem Verein und meinem Team habe ich gespürt, dass es darum gehen sollte, Veränderung mitzugestalten und strategischen Weitblick einzubringen.

Warum war es eine Position im Präsidium eines großen Mehrspartenvereins, die dich besonders gereizt hat?

Laura: Weil mir nach den Gesprächen schnell klar war, dass meine Ideen und Erfahrungen für den Verein von Nutzen sein können. Das gesamte Team hat es mir sehr leicht gemacht, mich einzufinden. Ich gebe gern zu, dass ich anfangs total überfordert war von der Größe des Vereins und der Fülle der Aufgaben. Alles war Neuland für mich, auch die Geschwindigkeit, in der Entscheidungen notwendig sind, war gewöhnungsbedürftig. Aber mittlerweile fühle ich mich extrem wohl und habe das deutliche Gefühl, dass wir als Team sehr gut harmonieren und viel voneinander lernen. Jede Perspektive ist wichtig, alle werden ernst genommen und wertgeschätzt. Das gefällt mir!

Welche Schwierigkeiten hattet ihr beide für euren Einstieg als Frau in eine Führungsposition im Sport erwartet, und welche davon sind tatsächlich eingetreten?

Laura: Ich habe mir viele Gedanken gemacht, ob ich allen Herausforderungen gewachsen wäre, die auf mich warteten. Aber die großartige Zusammenarbeit im Team hat mir alle Sorgen schnell genommen. Ich habe gespürt: Es ist vollkommen okay und darf so sein, dass es Zeit braucht, in seine neuen Aufgaben hineinzuwachsen. Dazu bedarf es sicherlich einer Unternehmenskultur, die das toleriert, und die ist beim HSV zum Glück gegeben.

Michaela: Bei mir war der wichtigste Faktor, dass sich schnell herausgestellt hat, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Zu erleben, dass man nicht überall zu 100 Prozent im Thema sein kann, dass man nicht überall Fachfrau sein muss, hat mir beim Ankommen sehr geholfen. Führung heißt ja nicht, alles selbst zu wissen. Führung heißt, gute Fragen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und die richtigen Menschen zusammenzubringen. Mein damaliger Chef und ich waren total unterschiedlich. Er war extrem strukturiert und diszipliniert, ich hatte großen Respekt vor dieser Aufgabe. Er aber hat mich bestärkt, indem er mir versichert hat, dass meine Stärken mich tragen würden.

Das Ziel für die Heim-EM: Taekwondo in Deutschland ins beste Licht rücken

Ob es die erfolgreichste Europameisterschaft der bisherigen Taekwondo-Geschichte werden wird, bleibt abzuwarten. Dass es die bislang größten kontinentalen Titelkämpfe in der aus Korea stammenden Kampfsportart werden, steht indes bereits fest. Teilnehmende aus 47 Nationen haben ihre Zusage gegeben, vom 11. bis 14. Mai im Münchner BMW-Park auf die Matte zu gehen. „Unser Sport wächst immer weiter, das ist sehr positiv. Und natürlich ist es für uns als Deutsche Taekwondo Union eine große Ehre, wieder ein solches Turnier in der Heimat ausrichten zu dürfen. Das wollen wir nutzen, um uns auf dieser Bühne zu präsentieren“, sagt Aziz Acharki. Die bislang letzte Heim-EM gab es vor 20 Jahren in Bonn, in München wurde zuletzt 1978 um Europas Krone gekämpft. 2003 war Garmisch-Partenkirchen letzter deutscher Ausrichter einer WM.

Aziz Acharki ist im deutschen Taekwondo eine Legende. Der Deutsch-Marokkaner, der in Bonn aufwuchs, holte sowohl als Sportler (1995) als auch als Trainer (2013) WM-Titel und vertrat die DTU ebenfalls in beiden Funktionen bei Olympischen Spielen; 2000 bei der Olympiapremiere seines Sports in Sydney (Australien), 2016 in Rio de Janeiro als Bundestrainer. Anschließend wechselte der 54-Jährige nach Dänemark, um dort die Taekwondo-Strukturen weiterzuentwickeln, ehe er im Oktober 2024 als Sportlicher Leiter Zweikampf zum deutschen Verband zurückkehrte. „Die DTU wollte ihre Strukturen erneuern und sich modern aufstellen, diese Herausforderung hat mich sehr gereizt“, sagt er.

Nachdem sich für die Olympischen Spiele 2024 in Paris lediglich Schwergewichtlerin Lorena Brandl (28) vom Verein Tiger and Dragon Altmannstein/Mindelstetten qualifizieren konnte, die letztlich im Kampf um Bronze der Koreanerin Lee Dabin unterlag, sah sich die DTU gezwungen, neue Wege zu gehen. „Wir haben neue Qualifikationskriterien aufgestellt und im Trainerbereich einige Änderungen vollzogen“, sagt Aziz Acharki, „besonders im Nachwuchs müssen wir die Förderung verbessern und individualisieren, um es unseren Athletinnen und Athleten leichter zu machen, sich voll auf ihren Sport konzentrieren zu können. Wir haben starken Nachwuchs, von dem wir einiges erwarten, aber es braucht auch Zeit und die dafür notwendige Geduld.“

Franziska Koch ist „Sportlerin des Monats“ April

Mit ihrem Triumph beim Radsport-Klassiker Paris-Roubaix hat Franziska Koch ein Stück Sportgeschichte geschrieben: In einem packenden Herzschlagfinale setzte sie sich gegen die internationale Konkurrenz durch und kürte sich als erste deutsche Frau zur Siegerin des Rennens. Für diese herausragende Leistung wählten die Sporthilfe-geförderten Athletinnen und Athleten die Radsportlerin mit 53,3 Prozent zur „Sportlerin des Monats“ April.

Hinter Franziska Koch sichert sich bei der Sporthilfe-Wahl zur Sportlerin bzw. Sportler des Monats Gewichtheberin Lisa Marie Schweizer (35,3%) Rang zwei. Die 28-Jährige überzeugte bei den Europameisterschaften in Georgien mit starken Leistungen: Mit persönlicher Bestleistung im Reißen sicherte sie sich den Titel und gewann zudem im Zweikampf die Bronzemedaille. Den dritten Platz bei der Wahl belegen die Trampolinturner Fabian Vogel und Matthias Schuldt (11,4%). Die beiden deutschen Synchron-Spezialisten feierten bei den Europameisterschaften im portugiesischen Portimão einen gelungenen Einstand als Duo und gewannen auf Anhieb die Silbermedaille.

Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting. 

Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.

Deutsche Sporthilfe

Zwischen Konsole und Nationaltrikot: Wie der DFB den E-Sport vorantreibt

E-Sport ist längst mehr als nur ein Trend. Millionen Menschen in Deutschland spielen regelmäßig, verfolgen Turniere oder messen sich selbst online. Auch der Deutsche Fußball-Bund hat diese Entwicklung früh aufgegriffen und baut seit einigen Jahren gezielt Strukturen im digitalen Wettbewerb auf. Dabei geht es nicht nur um Titel und Turniere, sondern auch um die Frage, wie Gaming und Fußball zusammen gedacht werden können – von der Basis bis zur eNationalmannschaft.

Wie das konkret aussieht, wird im Gespräch mit zweien deutlich, die den DFB E-Sport aus nächster Nähe erleben: Leo Dietz (33), Teamlead eSports & Gaming, verantwortet die strategische Entwicklung des Bereichs und arbeitet daran, E-Sport und Gaming langfristig im Verband und den Vereinen zu verankern. David „Rezears“ Wünsch (22) steht selbst auf dem virtuellen Spielfeld. Als professioneller Rocket League Spieler vertritt er den DFB international und gehört zu den besten Spielern Deutschlands.

Im Interview sprechen beide darüber, wie der Alltag als Leistungssportler aussieht und welche Rolle der DFB in einem Umfeld spielt, das sich ständig weiterentwickelt. Und es geht auch um größere Zusammenhänge: die Bedeutung von Gaming für junge Zielgruppen, den Aufbau von Strukturen im E-Sport und die Frage, wohin sich das Ganze in den nächsten Jahren entwickeln könnte.

FAQ zur Gemeinnützigkeit des E-Sports

Durch die Anerkennung von E-Sport als gemeinnützigen Zweck können Vereine seit dem 1. Januar 2026 entsprechende steuerliche Vorteile nutzen und haben zudem bessere Chancen auf öffentliche Fördergelder. Ziel der Änderung ist es, klare rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, junge Menschen zu unterstützen und ehrenamtliches Engagement zu stärken.

Was ist E-Sport?

Unter E-Sport versteht man den organisierten Wettkampf mit Video- oder Computerspielen. Dieser findet auf einer digitalen Plattform, auf verschiedenen Geräten und unter festgelegten Regeln statt. Im Mittelpunkt steht dabei der Wettkampf mit anderen Spieler*innen. Dabei kommt es nicht nur auf Präzision und strategisches Denken an, sondern auch auf Teamfähigkeit und Disziplin.

Was bedeutet die Änderung für Vereine? Welche steuerlichen und organisatorischen Vorteile ergeben sich konkret durch die neue Regelung?

Durch die neue Regelung profitieren Vereine vor allem dadurch, dass sie Spendenbescheinigungen ausstellen, Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen auszahlen und so ihre Steuerlast reduzieren können. Außerdem ermöglicht die Anerkennung der Gemeinnützigkeit einen besseren Zugang zu Fördermitteln. Gleichzeitig entsteht Rechtssicherheit, da E-Sport-Angebote die Gemeinnützigkeit von Vereinen nicht mehr gefährden.

Welche Voraussetzungen müssen Vereine erfüllen, um E-Sport korrekt in ihre gemeinnützigen Zwecke zu integrieren?

Um ein E-Sport-Angebot im Verein anbieten zu können, muss zuerst sichergestellt werden, dass die Satzung den Zweck „Förderung des Sports“ beinhaltet und das zuständige Finanzamt E-Sport unter diesem Zweck einordnet. Sollte dies nicht der Fall sein, bedarf es einer Satzungsanpassung, zum Beispiel in die Zwecke „Förderung des Sports und des E-Sports“ oder „Förderung des Sports, einschließlich des E-Sports“.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Spieltitel, die im Verein als E-Sport angeboten werden, folgenden Kriterien entsprechen: Einhaltung des Jugendschutzes, USK‑Kennzeichnung sowie der Ausschluss von Glücksspiel und gewaltverherrlichenden Inhalten.

Sportartenprogramm für World Games 2029 in Karlsruhe steht fast komplett

Die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele fasziniert die Menschen in Deutschland, das zeigen bundesweite Umfragewerte genauso wie die Zustimmungszahlen, die die Bewerberregionen Kiel, KölnRheinRuhr und München bei ihren Bürgerbefragungen erzielen konnten. Auf den Genuss eines Multisportevents von Weltrang müssen die deutschen Sportfans allerdings nicht bis 2036, 2040 oder gar 2044 warten. Vom 19. bis 29. Juli 2029 werden in Karlsruhe rund 4000 Athlet*innen zu den World Games erwartet. Die Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten, die ebenfalls im Vierjahresrhythmus ausgetragen werden, sind nach 1989 (ebenfalls Karlsruhe) und 2005 (Duisburg) zum dritten Mal in Deutschland zu Gast. Und was es dort zu erleben geben wird, das hat am vergangenen Samstag erste Konturen erhalten. Auf seiner Generalversammlung in Lausanne (Schweiz) beschloss der World-Games-Dachverband IWGA das Sportartenprogramm für die 13. Ausgabe seiner Weltspiele.

Große Überraschungen blieben dabei aus. Unter den 31 bislang festgelegten Sportarten, zu denen in der zweiten Jahreshälfte noch drei bis fünf Einladungssportarten kommen werden, die der Gastgeber vorschlagen darf, finden sich fast alle wieder, die auch im August vergangenen Jahres in Chengdu auf dem Programm standen. Dort hatte das Team D hinter Gastgeber China Rang zwei in der Medaillenwertung belegt. Lediglich Powerboating ist komplett gestrichen. Die aus Russland stammende Kampfsportart Sambo steht wegen aktenkundiger Dopingvergehen in China auf einer Longlist mit Sportarten, die noch in Erwägung gezogen werden, dazu zählen auch Baseball/Softball, Bowling und Racquetball. Wieder dabei ist die japanische Traditionssportart Sumo, die in China aus dem Programm gestrichen worden war. Auch Squash, Lacrosse und Flag Football, allesamt 2028 in Los Angeles auf dem olympischen Programm zu finden, sind weiterhin dabei. Die komplette Liste ist hier einsehbar.

„Die Diskussion um E-Sport und Sport hat sich mit unserer Generation erledigt“

E-Sport und Gaming haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einfachen Bildschirmspielen wie „Pong“ und „Space Invaders“ zu einem prägenden Bestandteil von Kultur, Wirtschaft und gesellschaftlichem Alltag entwickelt. Was mit frühen Erfahrungen an Konsolen und Heimcomputern begann, ist heute ein globales Phänomen mit Millionen von Spielerinnen und Spielern, eigenen Wettbewerbsstrukturen und wachsender politischer Aufmerksamkeit. Lange Zeit wurde dieser Bereich unterschätzt und kritisch begutachtet , geprägt von Vorurteilen, kulturellen Abgrenzungen und Debatten über Wirkung und Einfluss digitaler Spiele.

Inzwischen hat sich die Perspektive deutlich verschoben. Gaming gilt als bedeutender Kultursektor, E-Sport etabliert sich zunehmend im organisierten Wettbewerb und auch Institutionen aus Politik, Kultur und Sport setzen sich intensiver mit dem Thema auseinander. Vor diesem Hintergrund sprechen der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke und der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Olaf Zimmermann über ihre persönlichen Zugänge zu E-Sport, die gesellschaftliche Entwicklung von Gaming sowie über Chancen, Konfliktlinien und zukünftige Aufgaben für Kultur, Sport und Politik.

Raphael Kandra kämpft für die Realisierung seines Kindheitstraums

Er hat die olympische Bühne noch nie bespielen dürfen. Aber die Kraft, die von den fünf Ringen ausgeht, die spürt Raphael Kandra an jedem Arbeitstag. Seit im Herbst 2023 seine Sportart Squash ins Programm der Sommerspiele 2028 in Los Angeles aufgenommen wurde, dreht sich in dem Mitte des 19. Jahrhunderts in England entstandenen Rückschlagsport auf Hochleistungsebene fast alles darum, die Qualifikation für die Olympiapremiere zu schaffen. „Es ist unübersehbar, wie krass der Fokus weltweit auf Los Angeles liegt“, sagt der 35-Jährige, der sich dem Reiz der ersten Teilnahme auch nicht entziehen kann. „Vor drei Jahren hatte ich das Ende meiner Karriere früher kommen sehen. Mit der Möglichkeit, doch noch Olympische Spiele als Athlet erleben zu können, hatte ich niemals gerechnet. Aber mit der Aussicht auf ein Ticket für Los Angeles gebe ich natürlich noch einmal alles, um das zu erleben“, sagt er.

Und das ist gut so, denn zum Aufhören ist der gebürtige Fürther noch viel zu gut. Auf Rang 39 ist Raphael, der 2019 als erster Deutscher den EM-Titel gewinnen konnte, der einzige Team-D-Athlet in den Top 100 der Weltrangliste. Bei der Team-EM, die von diesem Mittwoch bis Samstag in Amsterdam (Niederlande) ansteht, führt er die deutschen Männer an. Eine Woche darauf reist er als einziger deutscher Starter zur Einzel-WM nach Gizeh (Ägypten), für das 64er-Feld hat er einen der 48 direkten Startplätze dank seiner Weltranglistenposition sicher. Ihn als Aushängeschild des Deutschen Squash-Verbands (DSQV) zu bezeichnen, wäre fast schon untertrieben.

Und dennoch ist der Weg nach Kalifornien ein extrem steiniger. Für die Einzelwettkämpfe sind pro Geschlecht nur 16 Teilnehmende zugelassen, eine Doppelkonkurrenz gibt es nicht. „Uns bricht es das Herz, wenigstens 32 hätten wir uns schon gewünscht, damit möglichst viele Athletinnen und Athleten diese Premiere erleben könnten“, sagt er. Da pro Nation nur maximal zwei Starter*innen pro Geschlecht gestattet sind, stehen die Chancen zwar deutlich besser, als wenn aus führenden Ländern wie Ägypten unbegrenzt Teilnehmende erlaubt wären. Der komplizierte Qualifikationsmodus allerdings erschwert die Lage dahingehend, dass lediglich die Top acht der Weltrangliste zum Stand im Mai 2028 direkt qualifiziert sind. Dazu kommen eine Wildcard für Gastgeber USA, die Sieger von fünf kontinentalen Meisterschaften, die in Europa 2027 im Rahmen der European Games in Istanbul (Türkei) ausgespielt wird und für die maximal zwei Aktive pro Nation und Geschlecht zugelassen sind, sowie die Sieger eines letzten Qualifikationsturniers und jeweils eine Person aus einer „kleinen Nation“, sofern diese zum Bewertungszeitpunkt unter den besten 50 der Welt stehen.

Als 16-Jährigem war ihm klar, dass er in die Bundesliga wollte

„Mir ist schon klar, dass es für mich in der Weltrangliste noch ein paar Positionen nach oben gehen sollte, damit der DOSB mich auch nominiert. Ich weiß, dass auf meine Ergebnisse sehr geachtet wird“, sagt Raphael. Zusätzlichen Druck will er sich davon jedoch nicht machen lassen. „Ich glaube, dass es machbar ist, aber es muss alles zusammenpassen. Wenn es am Ende nicht reicht, muss ich das hinnehmen, solange ich alles gegeben habe. Aber meine Motivation ist riesig!“ Was auch darin begründet liegt, dass der 16-fache Weltranglisten-Turniersieger weiterhin extrem viel Freude an seinem Sport hat, der schon im Kleinkindalter zu seinem Leben gehörte. „Meine Eltern hatten in Forchheim eine Squashanlage gepachtet, ich war sehr oft mit ihnen dort und musste mich selbst beschäftigen. Nach ein paar Jahren habe ich gemerkt, dass ich auf einem guten Niveau spielte, und habe dann festgestellt, wie viel Spaß es macht, im Sport erfolgreich zu sein“, erinnert er sich.

Wer erfolgreich sein will, braucht Zielstrebigkeit. Raphael Kandra entschied sich als Jugendlicher gegen eine Laufbahn im Fußball und für Squash, als 16-Jähriger war ihm klar: „Ich will in die Bundesliga und in die Sportfördergruppe der Bundeswehr!“ Zunächst jedoch stand, weil in einem Randsport wie dem Squash kein finanzielles Polster lockt, die berufliche Ausbildung im Vordergrund. Nach dem Realschulabschluss absolvierte der 1,82 Meter große Athlet eine Ausbildung zum Werkstoffprüfer in der Fachrichtung Metalltechnik, die direkt nach dem Schulende startete. Ebenfalls nur einen Tag nach der bestandenen Ausbildung startete er seinen Grundwehrdienst, an dessen Ende die Aufnahme in die Sportfördergruppe stand. „Und dort bin ich seitdem, und ich bin extrem dankbar dafür, dass mir die Bundeswehr die Sicherheit gibt, mich voll auf den Sport konzentrieren zu können“, sagt er.

„Ein Trikot schafft Aufmerksamkeit und ist sofort Gesprächsthema“

Das Schöne an Teams-Calls ist, dass man bisweilen Einblicke bekommt, die bei einem Meeting im Büro oder Konferenzraum verborgen bleiben würden. Jürgen Rank ist im Homeoffice, als das Gespräch mit dem DOSB ansteht, aber man würde eher vermuten, dass er in einem Sportmuseum sitzt. Hinter dem Bayreuther, der seit 2004 für den Branchenführer adidas Fußballtrikots entwirft und mittlerweile das internationale Team als Senior Design Director leitet, hängen gerahmte Fotos von Sportartikeln ebenso wie eine Auswahl an Trikots, die er im Lauf der Jahre mitentwickelt hat. „Ich fühle mich in diesem Raum sehr wohl und vergesse manchmal, dass ich im Homeoffice bin“, sagt der 55-Jährige, ehe er sich den Fragen stellt.

DOSB: Jürgen, du beschäftigst dich schon einen Großteil deines Lebens und seit 22 Jahren auch hauptberuflich mit Trikots. Wie geläufig ist dir das Format Trikottag?

Jürgen Rank: Da muss ich ehrlich sein: Bevor ich für dieses Interview angefragt wurde, war mir der Trikottag nicht bekannt. Jetzt weiß ich, worum es geht, und finde es eine richtig gute Aktion, weil es wichtig ist, die Arbeit zu würdigen, die in den vielen Sportvereinen geleistet wird.

Trikots sind ein wichtiger Faktor, um visuell ein Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl auszudrücken, ob man Fan ist oder Vereinsmitglied. Welche Bedeutung aber hat ein Trikot für jemanden wie dich, der beruflich damit zu tun hat?

Keine grundlegend andere. Die Identifikation mit einer Gruppe spielt die Hauptrolle. Indem ich ein Trikot bewusst anziehe, will ich damit auch eine Botschaft senden: Dass ich dazugehöre, mich mit dem Verein oder dem Verband identifiziere, dessen Farben ich trage. Wer zum Beispiel im Ausland das Trikot der DFB-Nationalteams trägt, macht damit deutlich: Ich unterstütze den deutschen Fußball. Das Schöne ist, dass man in der Öffentlichkeit viel häufiger angesprochen wird, wenn man ein Trikot trägt, als wenn es ein Shirt oder ein Hoodie ist. Ein Trikot schafft Aufmerksamkeit. Wo auch immer man auf der Welt unterwegs ist, gibt es sofort ein Gesprächsthema. Da bin ich immer wieder überrascht, welche Kraft so ein Stück Stoff haben kann.

Ist Trikotdesigner*in ein Lehrberuf, oder wie wird man das überhaupt?

Da gibt es viele verschiedene Wege. Meiner zum Beispiel war sehr kurvenreich. Ich habe nach dem Hauptschulabschluss zunächst eine Lehre als Dienstleistungsfachkraft im Postbetrieb gemacht. Da war ich 15 Jahre alt und merkte zum Glück schnell, dass das nicht das war, was ich wirklich wollte. Ich habe schon immer gern gezeichnet und habe gespürt, dass ich meine kreative Ader ausleben wollte. Also habe ich die Mittlere Reife nachgeholt, Zivildienst gemacht und in der Zeit viel gezeichnet und zum Beispiel Tattoos entworfen. Mit der Mappe, die über die Jahre entstanden ist, habe ich mich beworben, um in London Kunst und Design zu studieren. Nach der Rückkehr nach Deutschland habe ich in einer Skate-Company gearbeitet. Ich war seit der Kindheit Fußballfan, habe immer Trikots getragen und mir deshalb in den Kopf gesetzt, unbedingt als Designer zu adidas zu wollen. 2004 habe ich mich beworben, es hat zum Glück funktioniert, seitdem mache ich meinen Traumjob. Man kann natürlich auch einfach Modedesign studieren und sich auf Trikots spezialisieren. Aber ich achte bei Neueinstellungen für unser Team nicht in erster Linie darauf, wo oder was jemand studiert hat. Für mich zählt, dass die Menschen Leidenschaft für Fußball und Design mitbringen, denn das ist der entscheidende Faktor dafür, ob etwas gut oder exzellent wird.

In einem Gespräch mit „11 Freunde“ hast du mal gesagt, dass man ein gutes Trikot auch auf einer Hochzeit tragen könne. Was macht heute ein gutes Trikot aus? Das Material, das Design, die Passform?

Oh, darauf könnte ich stundenlang antworten! Aber ich versuche es mal kurz und prägnant: Ein gutes Design, das bei Fans ankommt, sorgt für Aufmerksamkeit und funktioniert auf den ersten Blick, trotzdem sieht es anders aus als das, was man gewohnt ist. Mein Antrieb ist, Neues zu schaffen und gleichzeitig die DNA des jeweiligen Vereins oder Verbands zu bewahren. Ich finde es sehr wichtig, dass ein Trikot eine Geschichte erzählt, über die es eine Tiefe bekommt und Impulse setzt. Dass Material und Passform den höchsten Ansprüchen der Kundschaft genügen, ist selbstverständlich Voraussetzung.

Welchen Stellenwert hat das Design heute gegenüber der Funktionalität, und wie hat sich dieser über die vergangenen Jahre oder Jahrzehnte verändert?

Von unserem Firmengründer Adi Dassler haben wir in die Wiege gelegt bekommen, dass Funktionalität einen extrem hohen Stellenwert haben muss. Er war ein Pionier auf diesem Gebiet, hat sich sehr viel mit den Bedürfnissen der Athleten beschäftigt und die Produkte danach weiterentwickelt. 1973 hat adidas, damals in Kooperation mit erima, mit der Entwicklung eigener Trikots begonnen. Zur WM 1986 kam erstmals die Climalite-Technologie zum Einsatz, außerdem haben wir damals die Farben unserer Landesflagge in das Nationaltrikot aufgenommen, nachdem es bis dahin nur schwarz und weiß beinhaltet hatte. In meinen Augen war das der Startpunkt dafür, dass Funktionalität und Design wichtige Rollen einnahmen. Über die Zeit kamen immer wieder neue Materialien auf den Markt, die neue Drucke und Grafiken ermöglichten. 2010 haben wir erstmals mit eng anliegender Oberbekleidung experimentiert, was durch Spieler wie Lukas Podolski oder Arjen Robben große Außenwirkung erzielte. Ich glaube, die Kombination aus Funktionalität und Design ist die entscheidende Komponente, die dem Trikot zum Durchbruch als Massenprodukt verholfen hat.

Insbesondere Fußballtrikots werden von Fans in hohen Stückzahlen gekauft. Inwieweit beeinflusst es deine Arbeit, dass diese Trikots einer breiten Masse gefallen müssen?

Kaum. Wir haben seit vielen Jahren Research-Teams, die ganz genau die Trends untersuchen. Unser Anspruch als Marktführer ist, dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus zu sein, um mit unseren neuen Kreationen einen Nerv zu treffen. Natürlich wollen wir mit unseren Produkten auch dem Sport und den Athletinnen und Athleten helfen, damit sie sich weiterentwickeln können. Und wenn diese Punkte erfüllt sind, kommt der kommerzielle Erfolg als Begleiteffekt.

Du bist speziell für Fußballtrikots zuständig. Worin unterscheiden sich Trikots in den verschiedenen Sportarten?

Vor allem in der Funktionalität. Zu Beginn meiner adidas-Zeit war ich auch für Rugby zuständig. Da braucht es Trikots, die einer viel höheren Belastung in Zweikämpfen widerstehen, die also deutlich reißfester sein müssen. Aber wir haben auch im Fußball schon teils deutliche Unterschiede, zum Beispiel im Vergleich zwischen Torwarttrikots und denen der Feldspieler. Die Torhüter haben einen ganz anderen Bewegungsablauf, sie springen oft und heben die Arme über den Kopf. Das heißt, sie brauchen längere Trikots, die flexibler sind. Dafür haben sie zum Beispiel elastische Einsätze unter den Armen. Auch im Design kann es zwischen den Sportarten natürlich Unterschiede geben, aber Neuentwicklungen wie zum Beispiel 2006 mit dem legendären „Teamgeist“-Muster übertragen sich auf viele Sportarten gleichermaßen. Und das, was alle Produkte eint, sind die drei Streifen, die es aber in verschiedensten Ausprägungen gibt.

Und worin unterscheiden sich Trikots für Männer und Frauen?

In erster Linie ebenfalls in der Funktionalität. Frauen- und Männerkörper haben unterschiedliche Bedürfnisse, auf die wir uns beim Schnitt und beim Material einstellen. Die Produkte werden selbstverständlich auch separat getestet. Beim Design ist es unterschiedlich. Manche Frauenteams möchten bewusst das Design, das die Männer haben, andere wiederum bestehen eher darauf, sich mit etwas Eigenem abzuheben. Wir versuchen, jedem Anspruch gerecht zu werden.

Erfolgreiche Integration braucht verlässliche Förderung

Der Austausch begann mit einer klaren Botschaft: Wenn Sport seine integrative Kraft entfalten soll, braucht es mehr als Engagement – es braucht verlässliche Förderung. Darüber diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Praxis beim parlamentarischen Frühstück des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ (IdS) im Berliner Paul-Löbe-Haus.

Rund 30 Teilnehmende, darunter Abgeordnete des Bundestags und ihre Mitarbeiter*innen sowie Vertreter*innen des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), folgten der Einladung von DOSB und Schirmherrin Aydan Özoğuz, MdB (SPD).

Integration braucht verlässliche Förderung

Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie die erfolgreiche Integrationsarbeit im Bundesprogramm langfristig gesichert werden kann – insbesondere mit Blick auf die kommende Förderperiode ab 2027. IdS-geförderte Vereine leisten einen zentralen Beitrag, stoßen jedoch ohne verlässliche Unterstützung an ihre Grenzen. Die Stärke des Bundesprogramms liegt in der Verbindung aus bundesweitem Rahmen und regionaler Verankerung über die Landessportbünde. So entsteht ein tragfähiges System, das Vereine in der Breite erreicht und unterstützt. Eine Kürzung der Mittel würde besonders dort spürbar werden, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird – etwa in sozial belasteten Quartieren und strukturschwachen Regionen. 

Mit Leidenschaft und Herz für die Sportgemeinschaft engagiert

Alexander Otto ist ein Mensch, der gern Großes bewegt. Als CEO der ECE Group, die als Traditionsunternehmen seit mehr als 60 Jahren gewerbliche Großimmobilien entwickelt und rund 200 Einkaufszentren betreibt, hat der 58 Jahre alte Hamburger in dieser Branche Maßstäbe gesetzt. Im Sport hat er mit der Gründung der Alexander Otto Sportstiftung, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, eine Institution geschaffen, die seit 2006 mehr als 500 Projekte mit einem Fördervolumen von knapp 40 Millionen Euro unterstützt hat. Und weil es ihm viel bedeutet, seine Expertise dort einzubringen, wo sie am meisten benötigt wird, ist Alexander Otto seit fast vier Jahren auch als Persönliches Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) engagiert.

Auf die Frage, was ihn antreibt, im Sport an so vielen Stellschrauben zu drehen, verweist er auf seine persönlichen Erfahrungen. „Ich habe seit der Jugend sehr intensiv Sport betrieben. Ich habe Tennis und Fußball gespielt, bin leidenschaftlich Skirennen gefahren und spiele aktuell für die Seniorenmannschaft des Klipper THC Tennis. Sport führt Menschen zusammen, kann wahnsinnig viel bewegen, viele Hürden überwinden und ist für viele Probleme der heutigen Zeit die Lösung“, sagt er. Deshalb habe er auch nicht lange überlegen müssen, als die Anfrage des DOSB kam, ob er sich ein Engagement im Beratungsgremium der Persönlichen Mitglieder vorstellen könne. „Ich hatte mit dem DOSB und auch der DSM seit Jahren einen engen Draht, nachdem ich mich 2015 sehr intensiv für die Hamburger Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele engagiert hatte. Ich kannte also die Institution DOSB und hatte eine Vorstellung davon, worum es gehen würde“, sagt er.

Alexander Otto liebt Begegnungen mit Ehrenamtlichen

Mit seiner Stiftung setzt sich der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende des Hamburger SV in erster Linie dafür ein, Leistungs- und Breitensport miteinander zu verbinden. „Das Prinzip, dass es ohne Breite keine Spitze, aber ohne Spitze auch keine Breite geben kann, habe ich verinnerlicht. Ich bin ein Befürworter des Leistungsprinzips, schätze aber am Sport auch, dass man lernt, mit Niederlagen umzugehen. Ich fühle die Begeisterung für beide Bereiche gleichermaßen und finde es sehr spannend zu sehen, wie sie einander befruchten“, sagt er. Eins der ersten und signifikantesten Projekte der Stiftung war der Bau und der Betrieb einer Sporthalle, die 2008 neben der Mehrzweckarena im Hamburger Volkspark eröffnet wurde. Zunächst diente sie den Profiteams der Hamburg Freezers (Eishockey) und des HSV Hamburg (Handball) als Trainingsstätte, 2024 wurde sie an den gemeinnützigen HSV e.V. übertragen, der sie nun für seine vielfältigen Breitensportabteilungen nutzt – unter anderem für das inklusive Basketballteam der BG Baskets.

Ein tragfähiges Netzwerk zu knüpfen, das in alle Bereiche des Sports ausstrahlt – darin sieht Alexander Otto eine seiner wichtigsten Fähigkeiten. Er selbst bleibt dabei gern im Hintergrund; öffentliche Auftritte wie im Rahmen des Umbaus des Tennisstadions am Hamburger Rothenbaum während der Corona-Pandemie, den er privat und mit seiner Stiftung mit rund acht Millionen Euro unterstützte, sind für ihn nachrangig. Was er dagegen liebt, sind die vielen Begegnungen mit Ehrenamtlichen, die ihm immer wieder Ideenfutter liefern. „Sie sind die Basis für den organisierten Sport in Deutschland und ein gesellschaftlicher Schatz, den wir niemals geringschätzen dürfen“, sagt er. Über den nach seinem Vater benannten Werner-Otto-Preis, der jährlich an verschiedene Projekte im Inklusionssport vergeben wird, ist er ebenso engagiert wie bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und Female Empowerment, für die die Stiftung ebenfalls vermehrt Fördermittel bereitstellt.

Haushaltsausschuss bewilligt erste Projekte der Sportmilliarde

Bereits in dieser ersten Antragsrunde des Programms zeigte sich der enorme Bedarf: Mehr als 3.600 Projektanträge mit einem Gesamtvolumen von über 7,5 Milliarden Euro wurden eingereicht. 333 Millionen Euro standen zur Verfügung. Das entspricht einer 21-fachen Überzeichnung des Programms.

Der DOSB begrüßt, dass die Koalition die Mittel aus dem Sondervermögen für den Sport mobilisiert hat, obwohl der Bund nicht primär für die Sportstättenförderung zuständig ist. Gleichzeitig weist der DOSB darauf hin, dass die aktuellen Mittel bei weitem nicht ausreichen, um den bestehenden Sanierungsstau zu beheben. Für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Förderlinie sieht der DOSB weiterhin grundlegenden Handlungsbedarf.

Ergänzend zur aktuellen Projektauswahl wurde bereits am 20. März 2026 ein weiterer Förderaufruf innerhalb des SKS-Programms veröffentlicht, der sich gezielt an kommunale Schwimmbäder richtet. Für diesen Programmteil stehen 250 Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden insbesondere Sanierung, Modernisierung sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit. Anträge können noch bis zum 19. Juni 2026 eingereicht werden.

Zur Vollendung einer echten „Sportmilliarde“ fehlt noch ein entscheidender Schritt: Der bestehende Sanierungsstau in der Sportinfrastruktur ist immer noch immens. Deshalb müssen auch in  2027 zusätzliche Mittel aus dem Sondervermögen zur Sanierung von Sportstätten mobilisiert werden. Aber auch die Länder, die im Kern für die Förderung der Sportstätten zuständig sind, müssen jetzt eine echte Investitionsoffensive starten.

Übersicht aller geförderten Projekte:  Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Sportstätten" (SKS) - Förderrunde SKS I

„Die Top Ten kamen in meinen kühnsten Träumen nicht vor“

Es gibt sie ja immer mal wieder, diese Geschichten, die medial als „Sportmärchen“ bezeichnet werden. Und doch sind sie jedes Mal aufs Neue faszinierend. Auf das zumindest, was Sabine Winter gerade erlebt, trifft dieses Adjektiv in vollem Umfang zu. Zu einem Zeitpunkt ihrer Karriere, in dem große Entwicklungssprünge absolut nicht die Regel sind, hat die 33 Jahre alte Tischtennis-Nationalspielerin Anfang April mit dem Gewinn der Bronzemedaille beim World Cup in Macau erstmals in ihrer Laufbahn den Sprung unter die besten zehn der Weltrangliste geschafft. Vor der Rechtshänderin vom TSV Dachau stehen lediglich acht Asiatinnen. Wie war diese Entwicklung möglich, und wohin kann sie noch führen? Darüber und über ihre Ziele für die anstehende Team-WM in London (28. April bis 10. Mai) spricht die in Bad Soden am Taunus geborene deutsche Spitzenspielerin im DOSB-Interview.

DOSB: Sabine, nach deinem World-Cup-Coup an Ostern hast du gesagt, du hättest eine solche Entwicklung nicht für möglich gehalten und würdest diese als surreal empfinden. Mit zwei Wochen Abstand: Wie fühlt es sich an, zu den besten zehn Tischtennisspielerinnen der Welt zu gehören?

Sabine Winter: Es ist schon ein wenig mehr ins Bewusstsein eingesickert. Aber wenn ich nun in der Sporthalle als Nummer neun der Welt angekündigt werde, klingt das für mich immer noch komisch. Ich kann es weiterhin nicht wirklich glauben, aber ich genieße es sehr. Es gibt im Profisport ja leider wenig Zeit, um Erfolge zu genießen, weil meist sehr schnell der nächste Wettkampf ansteht. Aber die Siegerehrung beim World Cup hatte mir schon sehr geholfen, um zu realisieren, was ich erreicht habe.

Um auf dieses Level zu kommen, hast du vor knapp eineinhalb Jahren eine sehr mutige und ebenso ungewöhnliche Entscheidung getroffen: Du benutzt auf der Rückhand einen Anti-Topspin-Belag, den auf internationalem Level kaum jemand spielt, und musstest deshalb deinen Spielstil komplett umstellen. Erkläre doch bitte den Laien unter uns, was genau du da gemacht hast.

Grob verkürzt gesagt spiele ich auf der Rückhand einen Belag, der das Tempo aus dem Spiel nimmt. Man kann damit nicht aktiv Spin spielen. Wenn ich das versuchen würde, würde der Ball nicht einmal bis zum Netz kommen. Wenn ich einen Ball mit viel Qualität im Spin zugespielt bekomme, kann ich den Spin aufnehmen, aber eben nur reaktiv.

Und was bewirkt das?

Dadurch dass ich das Spiel verlangsame, kann ich meine starke Beinarbeit und meine Vorhand als wichtigste Waffe viel besser ins Spiel bringen. Früher waren viele der Meinung, dass meine Rückhand sehr schlecht sei. Im Vergleich zur Vorhand stimmte das auch, ich würde sie aber als grundsolide bezeichnen. Aber ich konnte das Tempo, das insbesondere die Asiatinnen spielen, über die Rückhand nicht mitgehen, so dass ich deshalb meine Vorhand nicht zur Geltung bringen konnte. Nun verlangsame ich das Spiel, was dazu führt, dass viele Gegnerinnen irritiert sind und damit nicht so gut umgehen können. Und ich kann das nutzen, um über die Vorhand meinen aggressiven Stil besser umzusetzen. Wenn es gelingt, die Gegnerinnen zu verwirren, bekommt man öfter einen passiven Ball, den man attackieren kann. So kann ich mein offensives Spiel der Konkurrenz besser aufzwingen. Insgesamt bin ich viel variabler geworden, habe ein größeres Schlagrepertoire und habe sogar einen komplett neuen Schlag erfunden, einen Rückhand-Topspin mit dem Belag auf der Vorhandseite.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dass der Materialwechsel inklusive Umstellung des Spielstils der Gamechanger sein könnte?

Den ersten Impuls dazu hatte ich schon im Januar 2023. Damals habe ich mir viele Spiele von Konkurrentinnen angeschaut und analysiert, dass sich die Topleute gegen den Stil, den ich heute spiele, schwerer tun als gegen das, was die meisten spielen und wogegen sie auch im Training stundenlang spielen. Mein Gefühl war, dass es zu meinen Stärken passen könnte, wenn ich lerne, die Schläge mit dem Anti-Topspin-Material zu beherrschen und in ein neues Spielsystem zu integrieren, denn mir war klar geworden, dass es mir im modernen Hochgeschwindigkeits-Tischtennis nicht oft genug gelang, meine Stärken umzusetzen. Ich wollte den Belag nicht, um offensiv damit zu punkten, sondern um meine Stärken besser ins Spiel zu bringen. Außerdem war ich in einer Phase, in der ich nicht mehr allzu viel Spaß an meinem Sport empfand, weil ich nicht mehr richtig vorwärts kam.

Was hat dich damals davon abgehalten, es zu versuchen? Einmal alles komplett umzukrempeln birgt ja auch große Risiken. Hast du diese damals noch gescheut?

Ich dachte zunächst: Bestimmt ist es eine dumme Idee. Es hat noch nie jemand geschafft, und es hat Gründe, warum die allermeisten das moderne Material nutzen. Und trotzdem hat es mich nicht losgelassen. In 25 Jahren Tischtennis hatte ich gelernt, auf alles eine Antwort zu finden. Aber auf diese Frage fehlte sie mir. Deshalb habe ich Hermann Mühlbach angerufen, den ich als einen der besten Experten im Bereich Belagmaterial ansehe und der mich schon trainiert hat und deshalb mich und meine Stärken kennt.

Und was war dessen Einschätzung?

Er hat gesagt, dass ein solcher Schritt sehr viel Mut erfordere, aber dass er es mir zutraue. Wir haben dann ausgemacht, dass ich im Sommer während der Turnierpause mal zu ihm fahre, damit er mir in der Theorie alles erklären konnte. Also war ich zehn Tage bei ihm. Ich dachte noch auf der Anreise, dass ich wahrscheinlich sehr schnell alles verwerfen würde, aber ich wollte es unbedingt ausprobieren. Und dann hat es mir großen Spaß gemacht, und ich habe die kleine Chance gesehen, dass ich es wirklich lernen könnte.

Woran hast du diese kleine Chance festgemacht?

Ich war schon immer ein Mensch, der das Glück hat, schnell zu lernen. Und ich habe einen großen Ehrgeiz, bei Dingen, die ich wirklich können möchte, mit viel Beharrlichkeit am Ball zu bleiben. Ich bin neugierig auf verschiedene Sportarten und habe deshalb vieles ausprobiert. Mit meinem älteren Bruder habe ich mir richtige Battles darum geliefert, wer etwas schneller lernt. Einmal haben wir zu Weihnachten Keulen zum Jonglieren geschenkt bekommen, weil wir es mit Bällen schon konnten. Irgendwann haben wir darum gewettet, wer es als Erstes schafft, zehn Meter jonglierend auf einer Slackline zu balancieren. Ich bin überzeugt davon, dass die verschiedenen Bewegungsmuster, die ich mir durch solches Training angeeignet habe, mir auch bei der Umstellung sehr geholfen haben.

Du wolltest also die Umstellung durchziehen. Dennoch hat es mehr als ein Jahr gedauert, bis du es gewagt hast. Warum?

Weil ein solcher Wechsel auf ziemlich viel Gegenwehr stößt. Die meisten waren überzeugt davon, dass man mit diesem Belag schnell an Grenzen kommt und nichts ausrichten kann. Zudem hatte in meinem Alter noch niemand auf dem Niveau einen solchen Schritt gewagt. Und ganz ehrlich: Ich konnte diese Zweifel verstehen, denn ich hatte sie ja selbst. Aber ich wollte unbedingt beweisen, dass es gehen kann. Also habe ich, weil niemand mit mir trainieren wollte, einen Roboter gekauft und mit dessen Hilfe in vielen Wiederholungen die neue Schlagtechnik gelernt.

„Wir benötigen beides: erfolgreiche und sympathische Athletinnen und Athleten“

Genau zwei Monate nach dem Ende der Olympischen Winterspiele von Mailand Cortina hat Olaf Tabor am Mittwochnachmittag vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages eine sportliche Bilanz gezogen und mögliche Schritte zur Verbesserung der Leistungssportförderung skizziert. „Wir zählen im Wintersport weiterhin zur Weltklasse, müssen aber dennoch etwas nachlegen, weil wir unsere sportlichen Ziele verpasst haben“, sagte der im Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für den Geschäftsbereich Leistungssport zuständige 55-Jährige in Berlin. Das Team D, das mit 185 Athlet*innen in 15 Disziplinen angetreten war, hatte in Norditalien auf Rang fünf des Medaillenspiegels die angepeilte Top-drei-Position ebenso nicht erreicht wie die Anzahl der 2022 in Peking (China) gewonnenen Medaillen. Vor vier Jahren waren es 27 gewesen, davon zwölfmal Gold, was zu Gesamtrang zwei gereicht hatte, diesmal kamen mit je achtmal Gold und Bronze sowie zehnmal Silber 26 Plaketten zusammen.

„Ich habe großen Respekt vor den Leistungen und der Arbeit des gesamten Teams. Olympische Spiele sind ein sehr positiv besetztes Thema, sie haben in Deutschland so viele Unterstützer wie lange nicht, und das hat auch das IOC zur Kenntnis genommen“, sagte Thomas Weikert, der der Politik für die in vielen Vor-Ort-Besuchen in Norditalien sichtbar gewordene Wertschätzung dankte. Olaf Tabor legte in seinem Vortrag Wert auf eine differenzierte Analyse, in der er betonte, dass sportlicher Erfolg auch in Zukunft unerlässlicher Bestandteil gelungener Olympischer Spiele sein müsse. „Daraus entsteht der Funke, der auf die Fans überspringt. Ohne erfolgreiche Athletinnen und Athleten wird es nicht funktionieren. Aber es geht mittlerweile um mehr als Medaillen“, sagte er.

Eine Umfrage nach dem Ende der Winterspiele hatte unterstrichen, dass die Bevölkerung Themen wie Teamgeist, sympathisches Auftreten und Fairness mindestens ebenso hoch einschätzt wie Medaillengewinne. „Wir waren hervorragende Botschafter für unser Land. Ich bin sehr stolz auf die olympischen Momente, von denen uns das Team D einige beschert hat. Das mediale Interesse an den Spielen hat unterstrichen, dass es ein Stück weit unabhängig vom sportlichen Erfolg ist. Das Auftreten des Teams war sehr positiv. Am Ende benötigen wir beides: erfolgreiche und sympathische Athletinnen und Athleten“, sagte er.

Auch Platzierungen von vier bis acht sind Weltklasseleistungen

In einem zusätzlichen Bilanzgespräch mit den DOSB-Medien gab Olaf Tabor zu, dass die Rekordzahl von 14 vierten Plätzen bei ihm stark nachwirke. „Ich kann damit weiterhin nicht gut leben, weil ich weiß, dass wir unser Medaillenpotenzial nicht ausreichend abgerufen haben.“ Während die im Medaillenspiegel auf Rang eins und zwei platzierten Topnationen Norwegen und USA mehr als 50 Prozent ihrer Medaillenchancen auch tatsächlich in Edelmetall umsetzten, lag die Konversionsrate im Team D bei weniger als 30 Prozent. „Andere Länder machen es besser als wir. Wir haben leider noch keine Idee, wie wir es abstellen können. Die Fachverbände sind bereits tief in die Analyse eingestiegen, die noch bis in den Juni weitergehen wird, zudem erstellt auch das IAT eine umfangreiche Analyse.“ Gleichzeitig unterstrich er, dass auch das Erreichen der Plätze vier bis acht als Weltklasseleistung gelten müsse. „In der Gesamtzahl der Platzierungen von eins bis acht lagen wir in Norditalien bei 68. Da waren wir bislang nur 2018 in Pyeongchang mit 74 besser als diesmal.“ Außerdem zeige die Anzahl von gut 60 Prozent Olympia-Debütant*innen im Team D, dass es durchaus gelänge, den Nachwuchs an die größte Bühne heranzuführen.

Dazu komme, dass der Großteil der Medaillen mitnichten von der Generation 30 plus gewonnen wurde. „Wir hatten auch in der Altersgruppe 25 bis 29 einen deutlichen Peak. Deshalb widersprechen wir auch deutlich der These, die Medaillen seien im Wesentlichen von den älteren Athletinnen und Athleten im Team gewonnen worden“, sagte er. Fakt sei, dass einst sichere Medaillenlieferanten wie zum Beispiel der nordische Skibereich unter ihren Möglichkeiten geblieben seien. Die Krise im Eisschnelllauf und Shorttrack – der einzigen Disziplin, in der keine deutschen Teilnehmenden qualifiziert waren – sei ebenfalls besorgniserregend. „Dafür haben wir im Eiskanal weiterhin eine deutsche Domäne, die wir als wichtigen Trumpf pflegen müssen“, sagte der Vorstand Leistungssport mit Blick auf die 73 Prozent der deutschen Medaillen, die im Bob, Rodeln und Skeleton gewonnen wurden.

Die Diskussion darüber, ob die Stärke im Schlittensport Fluch oder Segen sei, werde in dieser Form nur in Deutschland geführt. „Meine Kollegen aus anderen Nationen verstehen nicht, warum daraus bei uns so ein Thema gemacht wird“, sagte Tabor, der darauf verwies, dass die meisten Topnationen über einen deutlichen Schwerpunkt in ihrer Erfolgsbilanz verfügen. „Die Niederlande als Dritter der Gesamtwertung haben alle ihre 20 Medaillen im Eisoval geholt. Norwegen hat 80 Prozent seiner Medaillen auf schmalen Ski gewonnen, Schweden 73 Prozent im Langlauf und Biathlon, die Schweiz zwei Drittel im alpinen Skibereich.“ Für ihn folge daraus, die Domäne im Eiskanal unbedingt bewahren zu wollen. „Sie ist die Grundlage für unsere Medaillenausbeute. Stärken stärken und durch weitere Erfolge ergänzen, das muss die Prämisse sein.“

David Kirchner, David Kulessa und Moritz Weiberg gewinnen VDS-Nachwuchspreis

Der diesjährige VDS-Nachwuchspreis, gestiftet vom Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), stand unter dem Thema „Schul- und Universitätssport in Deutschland - Chancen und Herausforderungen“. Gesucht wurden Beiträge, welche die aktuelle Lage, Herausforderungen, Chancen sowie Wege zur Motivation junger Menschen zu mehr Bewegung beleuchten. Beiträge konnten in verschiedenen Formaten (z. B. Artikel, Video, Blog oder Radio) eingereicht werden. Teilnehmen durften Nachwuchsjournalist*innen (Jahrgang 1998 oder jünger), einzeln oder in Gruppen, auch ohne VDS-Mitgliedschaft.

Bei der Preisverleihung, am Montag, 20. April, im Rahmen der VDS-Gala in Berlin, gab es zwei erste Plätze. Die Preisträger sind Moritz Weiberg (Video) sowie David Kulessa und David Kirchner (Print). Das Gesamtpreisgeld wird unter den beiden Gewinnern aufgeteilt.

Einprägsamer Blick auf eine unterschätzte Krise

David Kulessa und David Kirchner – „Sportunterricht in Bayern“ (Schwerpunktseite Süddeutsche Zeitung / 16.09.25)

David Kirchner und David Kulessa von der Süddeutschen Zeitung haben auf einer ganzen Seite das Thema "Schulsport" aufwendig beleuchtet. Dabei arbeiten sie durch den Einsatz verschiedener journalistischen Darstellungsformen gekonnt die Herausforderungen des Schulsports in der heutigen Zeit heraus, insbesondere durch einprägsame Schilderungen aus der Praxis. Dies gelingt besonders durch die gelungene Darstellung der verschiedenen Perspektiven - von der Sportlehrerin, über die Schüler hin zum Sportpädagogen. 

Alltagsnah und pointiert

Moritz Weiberg – „Problemfach Sport: Versetzung gefährdet?“ (u. a. ARD und BR / 08.05.25)

Moritz Weiberg hat die fünfköpfige Jury mit seinem Fernsehbeitrag zur schwierigen Situation des Schulsports überzeugt. Anschaulich und prägnant zeigt er zentrale Probleme wie marode Sportstätten und den zunehmenden Fachkräftemangel auf. Gelungen ist insbesondere die Zusammenführung vieler unterschiedlicher Stimmen aus der Praxis sowie die Einordnung anhand aktueller wissenschaftlicher Studien. Sein Beitrag verbindet sorgfältige Recherche mit klarer Erzählweise und macht so das Thema verständlich und wirkungsvoll sichtbar.

Die Lehre aus den Referenden: Deutschland will die Spiele

Passend dazu leuchtete die Hohenzollernbrücke, die den Rhein in Köln überspannt, in den Farben der olympischen Ringe. 

Knapp 700 Kilometer liegen zwischen Kiel und München. Zwischen Aachen und Berlin sind es gut 500 Kilometer. Egal, wo man dieser Tage nachfragt: Die Menschen im Land wollen Olympische und Paralympische Spiele. Die Ergebnisse der Referenden am vergangenen Sonntag unterstreichen diese Entwicklung. Die am Konzept KölnRheinRuhr beteiligten Kommunen stimmten mit 66,0 Prozent für eine Bewerbung, in Kiel waren es 63,5 Prozent Zustimmung. Bereits im Oktober 2025 hatte München ein positives Votum mit 66,4 Prozent Zustimmung abgegeben. Insgesamt haben inzwischen mehr als 1,2 Millionen Menschen bereits ihr „Ja“ zu Olympia und Paralympics in Deutschland gegeben, am 31. Mai sollen in Hamburg viele weitere positive Stimmen folgen. 

Auch in Berlin ist die Bürgerbeteiligung in vollem Gange. Am Dienstag wurde dem Senat eine Bürgercharta für Olympia übergeben. Sie ist das Ergebnis eines mehrstufigen Beteiligungsprozesses – bestehend aus verschiedenen Workshops, einer Kiez-Tour in allen Bezirken sowie einem Bürger- und Jugendforum. Das Dokument bündelt die vielfältigen Stimmen der Berliner Stadtgesellschaft zu zehn konkreten Handlungsempfehlungen für verantwortungsvolle, nachhaltige und gemeinsam gestaltete Olympische und Paralympische Spiele in Berlin. 

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Begeisterung für die Olympische Idee ist kein regional begrenztes Phänomen. Sie verbindet Menschen zwischen Rhein und Ruhr ebenso wie an der Ostsee, im Süden und bundesweit. Olympische und Paralympische Spiele sind die Bewegung, die Deutschland jetzt braucht. Eine Idee, die verfängt. Laut einer repräsentativen Umfrage von Dezember 2025 wünschen sich 74 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Olympische und Paralympische „Heimspiele“ in Deutschland. Damit zeigt sich eine breite gesellschaftliche Basis, die weit über einzelne Regionen hinausgeht. 

Diese Ergebnisse sind dabei mehr als reine Zustimmungswerte. Sie zeigen, dass Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland in der Lage sind, demokratische Mehrheiten hinter sich zu vereinen. Olympia kann den Sport wieder stärker in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken, Menschen aktivieren und Impulse setzen, die wirken. Mit Blick auf das anstehende Referendum in Hamburg am 31. Mai sowie den weiteren Beteiligungsprozess in Berlin wächst das Momentum weiter. Der Rückenwind für eine starke deutsche Bewerbung nimmt spürbar zu. Das internationale Interesse an einer deutschen Bewerbung ist durch die Ergebnisse aus NRW und Kiel sicher nicht geringer geworden. 

Deutschland will die Spiele. Sie sind die Bewegung, die das Land jetzt braucht.

Die Bedeutung von Bewegungsangeboten im öffentlichen Raum

Sport gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten in Deutschland, und rund 80 % der über 16-Jährigen treiben regelmäßig Sport. Alle diese Menschen, ob sie aktiv Sport treiben oder auf andere Weise damit in Kontakt kommen, verknüpfen ihre sportlichen Aktivitäten mit Sportstätten. Diese sind ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie laden Menschen dazu ein, sich zu bewegen, Lebensfreude zu erfahren, sich zu begegnen und ihre Gesundheit zu fördern. Sportstätten bilden die Basis für den Breiten- und Leistungssport, dem fast 28 Millionen Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) angehören, sowie für den Schulsport und die Ausbildung von Sportlehrern an Hochschulen. In städtischen und ländlichen Gebieten bieten sie nicht nur Raum für Bewegung, sondern auch wichtige Treffpunkte, die das Gemeinschaftsgefühl und die Identität von Städten und Gemeinden stark prägen. Darüber hinaus trägt der Sport erheblich zur Stärkung der Demokratie bei, indem er Teamgeist, Toleranz und Fairness fördert. Sportstätten sind – neben Personal und Finanzmitteln – die wichtigste Ressource des Sports.

Wohl wissend der Bedeutung von Sportstätten, wurden in den letzten Jahren einige Herausforderungen deutlich: der Zustand vieler Sportstätten ist mangelhaft, Sportstätten werden in Krisenzeiten zweckentfremdet und außerdem hat sich das Sportverhalten der Bevölkerung gewandelt:

In Deutschland gibt es rund 231.000 Sportstätten, darunter Sportvereinszentren, Stadien, Sporthallen, Bäder, Schießsportstätten und vieles mehr. Dazu kommen rund 370.000 Kilometer Reitwege, Laufstrecken oder Loipen. Das ist eine beeindruckende Bilanz, kein ein anderes Land der Welt weist eine solche Vielzahl an Sportstätten auf. Diese Vielzahl an Sportgelegenheiten ist grundsätzlich auf die Sportstättenbauoffensive „Goldener Plan“ in den 1960er bis 1980er respektive „Goldener Plan Ost“ in den 1990er und 2000er Jahren zurückzuführen. Dadurch konnte in rein quantitativer Sicht der Bedarf an Sportstätten in Deutschland gedeckt werden. Doch viele dieser Anlagen sind inzwischen veraltet und sanierungsbedürftig. Dies liegt daran, dass seither keine große bundesweit angelegte Sportstättenbauinitiative durchgeführt wurde.

Neue Konzepte zum Sporttreiben entwickeln

In jüngster Zeit zeigt sich immer deutlicher, dass Sportstätten von ihrer eigentlichen Funktion abweichen. So wurden sie beispielsweise als Wahllokale, Impfzentren oder Veranstaltungsorte genutzt. Während der Flüchtlingskrise dienten sie sogar als Unterbringungsmöglichkeiten. Besonders während der Hochphase der Corona-Pandemie waren viele Sportstätten für den Sport gänzlich unbrauchbar.

Darüber hinaus haben sich die Bedürfnisse der sportaktiven Bevölkerung verändert, die u.a. durch den demographischen Wandel sowie Veränderungen des Sporttreibens ausgelöst werden. Daher entsprechen viele Funktionen der Sportstätten nicht mehr den aktuellen Anforderungen.

Es gilt also mehr denn je diese Herausforderungen als Chance zu sehen. In Zeiten, in denen sich Menschen immer stärker individualisieren, gilt es neue Konzepte zum Sporttreiben zu entwickeln. Auch der gemeinwohlorientierte Sport hat diesen Trend für sich entdeckt und sich proaktiv mit dieser Thematik befasst.

Von Mai 2022 bis April 2024 führte der DOSB das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt „SPORTOUT: Sportvereine draußen stark machen – Gesunde Sportangebote nachhaltig in der Natur gestalten“ durch. SPORTOUT hat durch innovative Maßnahmen und Bewegungsformen Antworten auf die aktuellen Herausforderungen der Mitgliedergewinnung und -bindung in Sportvereinen und -verbänden gegeben. Darüber hat das Projekt dazu beitragen, Vereine fit für die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu machen. Sie dazu motiviert, Innovationen in den Bereichen der Angebots- und Mitgliederentwicklungen zu wagen – mit einem besonderen Schwerpunkt für gesundheitsfördernde Angebote im Freien – und damit ihre Attraktivität erhöht. Als ein zentrales Ergebnis des Projektes wurde eine hilfreiches Wissensportal erarbeitet, welches Informationen und Handlungsempfehlungen zum Sport im Freien gibt.

„Wo Sportvereine stark sind, bleibt Gemeinschaft lebendig“

Sandy Adam ist seit Februar 2026 Professor für Management/Sportmanagement und Studiengangsleiter Management an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam. Sport ist für ihn nicht nur berufliches Themenfeld, sondern täglicher Begleiter – mal aktiv, mal beobachtend, aber immer präsent. Besonders der Fußball hat seinen Blick geprägt. Beim SV Oberschöna 1902 e. V. in seiner sächsischen Heimat war der 48-Jährige lange Zeit als Spieler aktiv, später auch als Trainer der Männermannschaft. Seit mehr als 15 Jahren ist er dort zudem ehrenamtlich in der Abteilungsleitung Fußball engagiert, seit November 2025 auch als Vorsitzender des Gesamtvereins mit 280 Mitgliedern und acht Sparten. „Wer einen Sportverein auf diese Weise erlebt, lernt schnell, was dort wirklich zählt – und was es heißt, Verantwortung für Menschen, Strukturen und Entscheidungen zu tragen“, sagt er. Aus dieser wissenschaftlichen und persönlichen Perspektive ordnet Professor Adam ein, welche Rolle ehrenamtliches Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielt.

DOSB: Herr Professor Adam, in Deutschland gibt es aktuell fast 377.000 eingetragene Vereine, rund 86.000 davon sind Sportvereine. Warum sind wir eine solche Vereinsnation?

Sandy Adam: Das Vereinswesen, das im 19. Jahrhundert entstanden ist, ist historisch gewachsen. Vereine sind Institutionen der bürgerlichen Selbstorganisation, sie sind sozial tradiert und in der Gesellschaft und in den Köpfen der Menschen tief verwurzelt. Ein Verein ist in Deutschland ein zentraler Anlaufpunkt, wenn es um Engagement und zivilgesellschaftliche Organisation geht. Allerdings sehen wir im nationalen Vergleich durchaus Unterschiede im Organisationsgrad. Während in Bayern oder Baden-Württemberg rund 36 bis 38 Prozent der Menschen in Sportvereinen organisiert sind, liegt die Quote in Brandenburg, wo ich arbeite, oder in Sachsen, wo ich herkomme, bei rund 16 bis 18 Prozent. Das liegt auch daran, dass sich das Vereinswesen in Ostdeutschland nach der Wende unter veränderten institutionellen Bedingungen neu aufbauen musste. Aber generell sehen wir im organisierten Sport einen hohen und zuletzt wieder steigenden Organisationsgrad, der die Bedeutung von Sportvereinen unterstreicht.

Gibt es Vergleichbares auch in anderen Ländern?

International nimmt Deutschland im organisierten Sport durchaus eine besondere Stellung ein. Es gibt zwar auch andere Länder, die wir als Wohlfahrtsstaaten bezeichnen, in denen zivilgesellschaftliche Organisationen wie Sportvereine ebenfalls eine bedeutende Funktion haben, etwa die Niederlande, die skandinavischen Länder, Österreich oder die Schweiz. Aber die Kombination aus einem dicht ausgebauten, gemeinnützigen Vereinssystem, vergleichsweise moderaten Mitgliedsbeiträgen und einem sehr breiten Sportangebot ist in Deutschland besonders ausgeprägt.

Worin sehen Sie die wichtigsten gesellschaftlichen Funktionen, die Sportvereine erfüllen?

In erster Linie bieten Sportvereine die Möglichkeit, in der Gemeinschaft Sport zu treiben. Da geht es auch um Gesundheitsziele, aber ebenso um soziale Einbindung, Gemeinschaftserfahrungen und den Aufbau von Netzwerken. Menschen miteinander zu verbinden und Netzwerke aufzubauen, die stabilisierend wirken, ist ein Themenfeld, auf dem Sportvereine als verbindende Plattform wirken können. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft hat eine starke identitätsstiftende Funktion. Dazu kommt, dass Sportvereine demokratische Teilhabe ermöglichen. In eingetragenen Vereinen bestehen für Mitglieder grundsätzlich Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten, etwa über Wahlen und Mitgliederversammlungen. Somit können Vereine eine Schule der Demokratie sein – nicht im engen politischen Sinn, sondern im Bereich der gelebten Demokratie.

Welche dieser Funktionen sind durch den Mangel an Ehrenamtlichen bedroht?

Grundsätzlich sind davon nahezu alle zentralen Funktionen betroffen, denn laut des jüngsten Sportentwicklungsberichts sieht sich mehr als jeder sechste Verein wegen unterschiedlichster Probleme, die mit dem Mangel an Ehrenamtlichen zusammenhängen, in seiner Existenz gefährdet. Die stetig steigende Zahl von Mitgliedschaften und die zugleich vielfach als unzureichend empfundene personelle Ausstattung im Ehrenamt besorgen mich unter diesen Gesichtspunkten durchaus. In Ballungsräumen gibt es vielerorts lange Wartelisten und Aufnahmestopps, auch das sorgt dafür, dass die Attraktivität von Sportvereinen leidet und manche Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, zumindest zeitweise keinen Zugang zu Angeboten im Verein finden. Wenn ein Verein nicht ausreichend Trainerinnen und Übungsleiter hat, kann er kein ausreichendes Trainingsangebot unterbreiten und unter Umständen auch nicht am Wettkampfbetrieb teilnehmen. Auch darunter leidet die Attraktivität eines Vereins. Sporttreiben ist sehr wichtig für die Gesunderhaltung. Das könnte aber zur Not auch ohne die Mitgliedschaft in einem Verein passieren, es gibt viele private Angebote oder auch viele Möglichkeiten des Sporttreibens im öffentlichen Raum. Aber im Fitnessstudio oder beim Solo-Joggen entwickelt sich typischerweise meist weniger Gemeinschaftsgefühl, und auch die demokratischen oder identitätsstiftenden Funktionen werden dadurch tendenziell geschwächt. Insbesondere auf dem Land brechen Anker der Gemeinschaft weg, wenn Sportvereine ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen können, und das ist gesellschaftlich hochproblematisch.

DOSB gratuliert KölnRheinRuhr und Kiel zu erfolgreichen Referenden

Die wahlberechtigten Bürger*innen in NRW haben ein starkes Signal gesetzt und sich in den am Konzept KölnRheinRuhr beteiligten Kommunen mit großer Mehrheit für eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele ausgesprochen. Das kommunenübergreifende vorläufige Gesamtergebnis, ermittelt nach dem demokratischen Prinzip „One Person – One Vote“, das zur Bewertung in die Matrix des DOSB einfließt, liegt bei 66,0 % Zustimmung in der Region KölnRheinRuhr. Auch in Herten, gemeinsam mit Recklinghausen als Austragungsort für die Mountainbike-Wettbewerbe vorgesehen, sprach sich eine Mehrheit für die Olympiabewerbung aus. Dort wurde jedoch das nötige Quorum (15 %) knapp verfehlt.

Rund 1,4 Millionen Menschen gaben ihre Stimme ab. Insgesamt waren über 4 Millionen Bürger*innen ab 16 Jahren zur Abstimmung aufgerufen.

Ebenfalls abgestimmt wurde am möglichen Segelstandort Kiel. Die Kielerinnen und Kieler sprachen sich mit 63,5 % für olympische und paralympische Wettbewerbe in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins aus. Die Wahlbeteiligung in Kiel lag bei 29,1 %. Neben Kiel steht mit Rostock-Warnemünde ein zweiter Standort für Segelwettbewerbe zur Auswahl. 

Bis zum 4. Juni haben die vier nationalen Bewerber Berlin, Hamburg, KölnRheinRuhr und München noch die Möglichkeit, ihr jeweiliges Konzept zu finalisieren und beim DOSB einzureichen. Am 26. September 2026 wird dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB darüber entscheiden, welcher Kandidat Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vertreten wird.

So fließt das Ergebnis aus KölnRheinRuhr in die Bewertung des DOSB ein

Worum geht es?

In 17 Kommunen in Nordrhein-Westfalen haben über vier Millionen Wahlberechtigte noch bis zum 19. April die Möglichkeit, bei den laufenden Ratsbürgerentscheiden über die Bewerbung von KölnRheinRuhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 abzustimmen. Die beteiligten Kommunen sind Teil des Gesamtkonzepts KölnRheinRuhr und stimmen jeweils darüber ab, ob sie als möglicher Austragungsort zur Verfügung stehen.

Weltspitze im Rettungsschwimmen – nun greift Nina Holt auch im Becken richtig an

Menschen, die im Leistungssport nicht ganz so zu Hause sind, könnten denken, dass eine Sportlerin, die beim wichtigsten internationalen Großereignis ihres Sports bei fünf Starts fünfmal Gold gewonnen hat, Deutsche Meisterschaften nicht mehr allzu wichtig nimmt. Nina Holt schaut ein wenig irritiert, als sie diese Frage gestellt bekommt. „Ich liebe es, zu gewinnen, und wenn ich eine Chance dazu sehe, tue ich alles dafür, ganz egal, um was für ein Rennen es sich handelt“, sagt die 23-Jährige vor den nationalen Titelkämpfen im Schwimmen, die vom 23. bis 26. April im Berliner Europasportpark auf dem Programm stehen. Über 50, 100 und 200 Meter Freistil möchte sie als Zeitbeste der Meldelisten ihre Stellung als schnellste Schwimmerin des Landes zementieren. Vor allem aber markieren die Meisterschaften in der Hauptstadt für die Topathletin vom SC Magdeburg den Einstieg in eine Saison, in der sie möglicherweise erstmals in ihrer Leistungssportkarriere auf das verzichten wird, was sie bekannt gemacht hat.

Nina Holt, das darf man ohne Übertreibung sagen, ist im Rettungsschwimmen weltweit das Maß der Dinge. Bei den World Games, den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten, hatte sie im August vergangenen Jahres in Chengdu (China) die Konkurrenz bisweilen deklassiert und nach all ihren fünf Rennen ganz oben auf dem Podest gestanden, was zuvor noch nie einer World-Games-Athletin gelungen war. Parallel zu ihrem Engagement in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), wo sie für die Ortsgruppe Harsewinkel startet, hatte die in Erkelenz geborene Sportsoldatin aber auch ihre Karriere im Beckenschwimmen forciert. 2024 hatte sie in Paris erstmals an Olympischen Spielen teilgenommen. In der Woche vor den World Games war sie bei der WM in Singapur über 100 Meter Freistil und in vier Staffeln gestartet. Anfang Dezember konnte sie bei der Kurzbahn-EM in Lublin (Polen) dann auch nach zweimal Silber in der U-23-Wertung erstmals eine internationale Medaille im Beckenschwimmen in der offenen Klasse feiern, kurioserweise über die 100 Meter Rücken, die nicht zu ihren Paradestrecken zählen.

Fünfmal Gold in Chengdu hat ihren Hunger nach Erfolg angefacht

„2025 war wirklich ein sehr spannendes und lehrreiches Jahr für mich“, sagt Nina rückblickend. Die wichtigste Erkenntnis, die sie aus den sportlichen Höhenflügen gezogen hat, ist die, sich in diesem Jahr intensiv auf das Beckenschwimmen konzentrieren und dafür möglicherweise auch auf die WM im Rettungsschwimmen im Dezember in Südafrika verzichten zu wollen. „Ich glaube, dass ich darin noch deutlich mehr Potenzial zur Weiterentwicklung habe als im Lifesaving, deshalb möchte ich probieren, alles aus mir herauszuholen und zu schauen, wozu es reicht“, sagt sie. Die fünf Goldmedaillen aus Chengdu sehe sie auf diesem Weg als Ansporn. „Es ist auf keinen Fall so, dass mir im Rettungsschwimmen die Motivation fehlt. Im Gegenteil, die World Games haben meinen Hunger nach Erfolg noch mehr angefacht, und ich habe auch noch nicht die möglichen Zeiten ausgereizt, die in den verschiedenen Disziplinen denkbar wären. Aber ich glaube, dass es mir gut tun wird, neue Ziele zu haben“, sagt sie.

Eine nicht unerhebliche Rolle spielt in ihren Plänen der Fakt, als Aktive Olympische Spiele und World Games erlebt zu haben und Vergleiche ziehen zu können. 2022 hatte sie als 19-Jährige bei ihrer World-Games-Premiere in Birmingham (USA) schon viermal Gold und einmal Bronze gewonnen, was öffentlich jedoch kaum wahrgenommen wurde. „Als ich mit den fünf Goldmedaillen aus China zurückkam, hatte ich schon einige Anfragen, der größte Teil davon waren aber lokale Termine. Mit der Medienpräsenz bei Olympia war das überhaupt nicht vergleichbar, obwohl ich in Paris keine Medaille gewonnen habe. Paris hat die World Games schon ziemlich klein erscheinen lassen“, sagt sie. Selbstverständlich sei ihr bewusst, dass der Stellenwert, den sie sich im Rettungsschwimmen erarbeitet hat, auf olympischem Level schwieriger zu erreichen sein wird. „Aber ich habe mir zum Ziel gesetzt, auch bei Olympia Medaillen zu holen. Und ich glaube, dass mir meine Entwicklung im Rettungsschwimmen genug Selbstbewusstsein gegeben hat, um mir das auch zuzutrauen!“

Ehrenamt im deutschen Sport wird ausgezeichnet

Im Rahmen des Galaabends des VDS am 20. April in Berlin würdigt der VDS das Ehrenamt im deutschen Sport mit dem „Goldenen Band“. Das „Goldene Band“ ist die älteste Sportauszeichnung Deutschlands, sie wurde vor 100 Jahren in Berlin ins Leben gerufen, jahrzehntelang wurde es für herausragende sportliche Leistungen vergeben. Seit 2014 stellen die Sportjournalistinnen und Sportjournalisten mit dem „Goldenen Band“ das soziale Engagement im Sport in den Mittelpunkt.

Fußballweltmeister Philipp Lahm überreicht das „Goldene Band“ an Vertreter des Ehrenamts, angeführt von DOSB-Präsident Thomas Weikert. An diesem Abend nimmt Weikert die Auszeichnung im Namen der nahezu 8,8 Millionen ehrenamtlich tätigen Menschen im deutschen Vereinssport entgegen.

„Wie abfällig in Teilen über uns geurteilt wird, erschüttert mich immer wieder“

Seit sie im vergangenen November zur Vorsitzenden der Athlet*innenkommission (AK) im DOSB und zur Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland (AD) gewählt wurde, kümmert sich Pia Greiten nicht mehr nur aus reinem Interesse um sportpolitische Themen, sondern qua ihrer Ämter. Die 29-Jährige, die 2024 in Paris die olympische Bronzemedaille mit dem Doppelvierer erruderte, studiert zudem „im Hauptberuf“ Bauingenieurwesen. Und dann ist da für die Athletin vom Osnabrücker Ruder-Verein auch noch eine nicht ganz unwesentliche Karriere im Leistungssport zu bewältigen. Darüber, wie sie diese Dreifach-Herausforderung managt, was sie über den Entwurf eines Sportfördergesetzes denkt und warum sie sich eine veränderte Diskussion über Leistung im Sport wünscht, spricht Pia im DOSB-Interview.

DOSB: Pia, am Wochenende stehen in München die Deutschen Kleinboot-Meisterschaften auf dem Programm. Das klingt fast niedlich, dabei ist es eins der wichtigsten Events der Rudersaison. Erläutere bitte einmal, welche Bedeutung die DM für euch als Kaderathlet*innen hat.

Pia Greiten: Alle Kaderathlet*innen im Skullbereich starten im Einer, die im Riemenbereich im Zweier ohne Steuerfrau oder Steuermann. Ich kann nur für mich sprechen, weiß aber, dass es auch für alle anderen sehr prestigeträchtig ist, in der kleinsten Bootsklasse den nationalen Meistertitel zu gewinnen. Für die Qualifikation mit Blick auf die Besetzung der Boote für die internationalen Wettkämpfe sind die Kleinboot-Meisterschaften der wichtigste Wettbewerb.

Warum wird nur in Kleinbooten gefahren und nicht in den Bootsklassen, für die ihr euch qualifizieren wollt?

Weil es darum geht, die Individualleistung zu überprüfen. Der zweite wichtige Faktor neben der Kleinboot-Meisterschaft ist der 2000-Meter-Ergotest, den wir vor zwei Wochen im Rahmen der Langstreckenrennen in Leipzig absolviert haben. Beide gehen in die Leistungsbewertung ein, die darüber entscheidet, wie die verschiedenen Bootsklassen besetzt werden. Die Setzliste für die Meisterschaft wird anhand der Vorleistung bei der Langstrecke erstellt, damit sich die Favoritinnen auf die Besetzung der A-Nationalmannschaft nicht schon im Viertelfinale eliminieren.

Wie lief deine persönliche Vorbereitung, wie würdest du deine Formkurve der vergangenen Monate beschreiben?

Grundsätzlich bin ich mit dem Verlauf meiner Formkurve durchaus zufrieden, auch wenn ich noch nicht da bin, wo ich gern gewesen wäre. Aber ich hatte über den Jahreswechsel über Wochen mit den Folgen einer Influenza zu kämpfen. Umso glücklicher bin ich, dass ich physiologisch gut dastehe. Ich konnte meine persönliche Bestleistung auf dem Ergometer auf 6:35,4 Minuten verbessern und habe das Gefühl, dass mein Körper die Belastungen sehr gut wegsteckt.

Mit welcher Zielstellung gehst du in das kommende Wochenende?

Das ist etwas schwierig zu sagen, weil ich sowohl meine eigene als auch die Leistungsfähigkeit meiner Konkurrentinnen nicht zu 100 Prozent einzuschätzen vermag. Grundsätzlich fahre ich aber zu einer Deutschen Meisterschaft immer mit dem Ziel, dort um die Medaillen zu kämpfen.

Gesetzt den Fall, dass du in München das erhoffte Ziel erreichst und dich für den A-Kader qualifizierst: Wie sieht deine weitere Saisonplanung aus?

Mein Ziel ist, bei den internationalen Saisonhöhepunkten, also der EM Anfang August in Italien und der WM Ende August in Amsterdam, im priorisierten Boot zu sitzen. Noch ist nicht klar kommuniziert, ob das der Doppelzweier oder der Doppelvierer sein wird. Aber wir haben ein starkes Team und mir ist bewusst, dass ich dafür meine Topleistung erreichen muss.

Nach Jahren, in denen es im deutschen Frauenrudern vor allem im Riemenbereich sehr schwierig war, scheint im DRV eine Art Aufbruchstimmung zu herrschen. Wie nimmst du das wahr?

Genauso. Wir haben wieder ein großes Team mit viel Konkurrenz, was sehr schön und wichtig ist, um bei den Großevents in allen Bootsklassen international konkurrenzfähig zu sein. Im Team herrscht eine sehr positive Energie, alle haben Bock, wieder etwas zu erreichen und geben alles dafür, 2028 in Los Angeles mit mehr Booten als in Paris an den Start zu gehen. Wir trainieren mit Skull -und Riemenbereich gemeinsam in Berlin, und der Wandel im Team ist sehr deutlich zu spüren.

Die Regattastrecke in München, auf der die DM stattfindet, ist geschichtsträchtig, 1972 wurde dort um Olympiamedaillen gekämpft, 50 Jahre später fanden dort die European Championships statt. Welche Bedeutung hat sie für euch im DRV?

Die Spiele von 1972 sind bei mir und dem Team natürlich nicht so präsent. Aber die Strecke wird auch im Junior*innenbereich intensiv genutzt, so dass die meisten von uns sehr viel Erfahrung mit ihr haben. Persönlich mag ich Anlagen, die als Regattastrecke konzipiert und gebaut wurden, besonders gern. Sie sind komprimierter, das Publikum ist nah dran. Deshalb fahre ich sehr gern nach Oberschleißheim, auch wenn meine Erfahrungen aus sportlicher Sicht durchaus gemischt sind.

Neben deiner sportlichen Karriere bist du seit November 2025 an herausgehobenen Stellen auch sportpolitisch sehr aktiv. Wie würdest du deine ersten Erfahrungen als Vorsitzende der DOSB-Athlet*innenkommission und Präsidentin von Athleten Deutschland zusammenfassen?

Die ersten Monate waren definitiv sehr aufregend. Für mich ging es zunächst darum, mir einen Überblick über die verschiedenen Themenbereiche zu verschaffen. Zum Glück haben wir in beiden Organisationen ein sehr starkes Team, das sehr viel Energie und Professionalität in die Aufgaben steckt.

Wie funktioniert die Arbeitsteilung konkret? Bist du diejenige, die den großen Rahmen vorgibt und den Überblick über alle Themen behält?

Ich denke schon, dass ich einen guten Überblick über all unsere Aufgaben habe. Im Präsidiums- und Kommissionsteam sind wir aber alle gleichgestellt, ich gebe nichts vor. Ich bin auch nicht in Gremien vertreten, die die Themen schwerpunktmäßig bearbeiten und daher auch nicht diejenige, die sich zu allem äußern muss. Dafür haben wir Expert*innen in den verschiedenen Themenbereichen. Wenn es um aktuelle Themen geht, schauen wir zudem, wer gerade Kapazitäten hat. Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, müssen wir darauf achten, dass in entscheidenden Phasen niemand überlastet wird.

Zu Beginn deiner Amtszeit konntest du die zeitliche Beanspruchung durch die beiden Ämter noch nicht einschätzen. Wie hoch ist sie denn nun?

Ich führe darüber kein Protokoll, und es ist auch von Woche zu Woche unterschiedlich. Es kommen schon so einige Stunden zusammen, insbesondere Kurzfristigkeit von Themen ist eine Herausforderung. Aber mit einem guten Zeitmanagement, und das sollten Leistungssportler*innen haben, ist das alles auch mit dem Studium gut unter einen Hut zu bekommen.

Als Vorsitzende der AK und Präsidentin von AD, deren Führungsstruktur personengleich ist, trägst du zwei Hüte. Wie bewertest du mit ein paar Monaten Erfahrung die Herausforderung der Doppelfunktion? Wie schwierig ist es, die Trennschärfe zu bewahren?

Personengleich sind beide Gremien nicht, in der AK sitzen neben dem AD-Präsidium Kim Bui, Ronald Rauhe und Jello Krahmer. Alica Gebhardt, die bei AD im Präsidium sitzt, ist nicht Teil der AK. Die Doppelfunktion empfinde ich nicht als schwierig, weil ich nicht glaube, dass es eine klare Trennung braucht. Im Vordergrund beider Aufgaben steht, dass wir die Athlet*innen vertreten. Natürlich gibt es Themen, die wir eher mit der AK bespielen, wenn sie DOSB-intern oder dem DOSB besonders wichtig sind. Andere Themen sind für AD wichtiger und erhalten darüber mehr Konzentration von dieser Seite. Es ist wichtig zu wissen, dass wir unsere Arbeit in der AK ohne die Unterstützung von AD nicht machen könnten. In der AK haben wir eine gering beschäftigte Kraft, die uns unterstützt. Für AD sind Hauptamtliche täglich mit den Belangen von Athlet*innen befasst. Wir können unsere Kapazitäten für die AK viel mehr nutzen, weil uns viele Dinge abgenommen werden und wir auf eine Basis zurückgreifen können, die wir ehrenamtlich nicht bearbeiten könnten.

Es fällt auf, dass sich AD zu manchen Themen wie zum Beispiel dem Ausschluss von Fridtjof Petzold aus der DESG sehr deutlich positioniert, zu anderen wie dem Konflikt im DAV, der ja ebenfalls stark die Athlet*innen betrifft, wiederum nicht. Worin liegt das begründet?

Wir wägen sehr sorgfältig ab, zu welchen Themen wir uns öffentlich äußern, und prüfen, ob wir dazu belastbare Aussagen treffen können. Dasselbe macht der DOSB auch. Es gibt sicherlich bestimmte Gründe, warum zu den genannten Beispielen nicht proaktiv Stellung bezogen wurde.

Wenn du als Präsidentin von AD sprichst, scheinst du medial deutlich intensiver wahrgenommen zu werden als in der DOSB-Funktion. Warum ist das so, und wie ließe sich das ändern?

Zum einen liegt es daran, dass Athleten Deutschland als unabhängige Vertretung wahrgenommen wird, die nicht mit dem DOSB verbunden ist. Das wirkt auf viele Medien objektiver, als wenn sich die verbandsinterne Kommission äußert. Zum anderen hat sich der Verein seit der Gründung 2017 einen politischen Stellenwert erarbeitet, dank dem sich besser Themen platzieren lassen, die öffentliche Relevanz haben. Diese Kraft ist nicht zu unterschätzen.

Aber als Vorsitzende der DOSB-AK sprichst du für alle Athlet*innen, bei AD nur für dessen Mitglieder. Steckt dahinter nicht eine viel größere Kraft?

Ich sehe diese Trennung nicht als entscheidend an. Athleten Deutschland spricht Themen an, die alle Athlet*innen betreffen und die für deren Fortkommen und Weiterentwicklung nützlich sein können. Insofern halte ich es nicht für notwendig, daran etwas zu ändern. Wichtig ist, dass die Themen in der Öffentlichkeit Gehör finden. Zudem ist AD über das Hauptamt viel besser in der Lage, Meinungsbilder einzuholen und intensiver mit Athlet*innen ins Gespräch zu gehen, als wir es im Ehrenamt jemals könnten. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Hundert Anliegen von Athlet*innen bearbeitet und somit Expertise aufgebaut, von der auch der DOSB profitieren kann.

Hast du denn das Gefühl, dass die Sicht der Athlet*innen im DOSB nicht ausreichend wahr- und vor allem auch ernst genommen wird?

Ohne ins Detail gehen zu wollen, möchte ich es so formulieren: Der Status Quo ist zumindest nicht zufriedenstellend. Wir arbeiten als Athlet*innenkommission intensiv daran, dass das besser wird. Und aus dem DOSB, insbesondere aus dem Vorstand, bekommen wir auch entsprechende Zeichen, dass das ernst genommen wird. Allerdings muss die Zukunft zeigen, wie ernst die Einbindung seiner Spitzenathlet*innen dem DOSB wirklich ist.

„Die wichtigsten Rennen werden im Endspurt entschieden“

DOSB: Am 19. April stehen die entscheidenden Referenden in der Region KölnRheinRuhr und in Kiel an. Welche Rolle spielen die Erfahrungen aus dem erfolgreichen Referendum in München für die aktuellen Bürgerentscheide?

Thomas Weikert: Die erfolgreiche Abstimmung in München hat dem gesamten Prozess natürlich Rückenwind gegeben. Es hat sich gezeigt, dass Referenden zur Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele durchaus gewonnen werden können. München war das erste erfolgreiche Referendum zu Sommerspielen weltweit. Wichtig war und ist es in unserem Prozess, dass Sport, Politik und Wirtschaft mit einer Stimme sprechen und den Fokus auf die allein schon durch die Bewerbung entstehenden Chancen für viele gesellschaftliche Bereiche zu legen. In einer offenen, positiven und emotionalen Art und Weise. Das hat viele Menschen überzeugt. Ich hoffe, das ist auch bei den Abstimmungen sowohl in Kiel als auch in KölnRheinRuhr wieder der Fall. Die wichtigsten Rennen werden bekanntlich im Endspurt entschieden. Ich wünsche mir daher, dass die Bürgerinnen und Bürger in NRW sowie Kiel von ihrem demokratischen Wahlrecht Gebrauch machen und die letzten Tage bis zum Sonntag noch zahlreich zur Stimmabgabe nutzen. Wobei ich darum bitte zu bedenken, dass es in NRW nicht die Möglichkeit gibt, am Sonntag Wahllokale zu nutzen. Die Unterlagen müssen per Brief am besten bis spätestens Mittwoch abgesendet oder bis zum Sonntag im jeweiligen Rathaus abgegeben werden. 

Wie wichtig ist der Ausgang der kommenden Referenden für den weiteren Prozess?

Mit München hat bereits ein nationaler Bewerber das Ziel erreicht. Insofern geht es am kommenden Sonntag nicht mehr um die Frage, ob es eine deutsche Bewerbung geben wird, sondern darum, ob es Olympische und Paralympische Spiele in KölnRheinRuhr beziehungsweise Segeln in Kiel geben kann. Wir hoffen, dass sich die Sportbegeisterung, die wir an Rhein und Ruhr und an der Ostsee seit Wochen erleben, auch in der Wahlbeteiligung widerspiegelt. Das würde erneut unter Beweis stellen, wie sehr die Idee von Olympischen und Paralympischen Spielen die Menschen in Deutschland bewegt.